Paradiesische Zeiten

Projekt innerhalb der THEATERWERKSTATT SCHWÄBISCHE ALB des Landestheaters Tübingen/ TRAFO

Im Rahmen der THEATERWERKSTATT SCHWÄBISCHE ALB, die durch das TRAFO-Projekt der Kulturstiftung des Bundes ermöglicht wird, recherchierte und arbeitete ich von November 2016 bis März 2017 in der Gemeinde Winterlingen.

Das Ziel war es unter dem Titel "Paradiesische Zeiten" der Kreation  der eigenen Heim-Vorstellung nachzugehen. Was macht einen Ort zu meinem persönlichen Paradies? Kann ich meine Heimat mit mir in der Tasche tragen? Brauche ich die Menschen um mich herum, um mir einen Ort als neue Heimat anzueignen?

Im Zuge dieses Themas beschäftigten wir uns insbesondere mit Familien und Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. Wie verändert sich die zumeist verklärt-romantische Vorstellung von Heimat, wenn man den Ort der Kindheit unwiderbringlich verloren hat?

Während der viermonatigen Arbeitsphase entstanden zwei größere Teilprojekte :

Schule der Sehnsüchte

Bürger:innen-Theater und Abschluss-Projekt von "Paradiesische Zeiten" (LTT/TRAFO)

Premiere: 09.03.2017, Begegnungsstätte "Altes Schulhaus" Winterlingen

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Künstlerische Leitung: Jeffrey Döring | Ausstattung: Hannah Ebenau | Schauspiel: Nils Malten | Assistenz/Künstler. Mitarbeit: David Klumpp | Expert*innen: Khader Aziz, Christine Keller, Rosemarie Kißling, Evelin Nolle-Rieder, Mustafa Noori, Rudolf Schütz | Mit Unterstützung von: Sabine Froemel, Rainer Ottilinger | Sprechchor der Jugend: Stefanie Anders, Fiona Buhl, Carolina Godoy-Schönhaar, Josef Lorenz, Sarah Schiebel, Lea Schnick | Gesang/Chor: cantus iuvenis | Dramaturgie/Projektleitung: Kerstin Grübmeyer | Künstler. Produktionsleitung: Franziska Weber

Das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.

Heinrich von Kleist: „Über das Marionettentheater“
 

Sind wir seit der Vertreibung aus dem Paradies permanent auf der Flucht oder können wir uns einen neuen Garten Eden anpflanzen?

Gemeinsam mit Bürger*innen aus Winterlingen, Storzingen und Harthausen  machten wir uns auf die Suche nach dem Gefühl des Ankommens, der Heimat,  der Geborgenheit. Expert*innen mit und ohne Migrationshintergrund schildern, worin sie ihr Paradies gefunden oder verloren haben.

"Schule der Sehnsüchte" war ein Stationentheater, das sich über die gesamte Winterlinger  Begegnungsstätte, einem ehemaligen Schulhaus, erstreckte. In drei verschiedenen Gruppen besuchte das Publikum unterschiedliche Räume vom Dachstuhl bis in den Keller, in welchen Expert*innen aus ihren Biographien erzählten. Szenisch gerahmt wurde der Abend durch den Schauspieler Nils Malten und musikalisch durch den Chor cantus iuvenis.  Insgesamt wirkten ca. 35 Beteiligte künstlerisch an diesem Bürgertheater mit.

Eden

Theater-Laden und Begegnungs-Installation innerhalb von "Paradiesische Zeiten" (LTT/TRAFO)

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Künstlerische Leitung: Sven Hartlep, Jeffrey Döring | Ausstattung: Hannah Ebenau | Performance: Nils Malten | Künstlerische Mitarbeit: Evelin Nolle-Rieder | Leitung der Theaterwerkstatt: Künstl. Leitung/ Dramaturgie: Kerstin Grübmeyer | Künstl. Produktionsleitung: Franziska Weber

Der Theaterladen EDEN war unsere künstlerische Basis während der Recherchephase und auch ein Ort der Begegnung. Hier wurden kleinere Performances aufgeführt, die den bisherigen Stand der Recherche zeigten, Filmabende fanden wöchentlich statt, sowie Interviews und auch Café-Runden mit Winterlinger*innen.

Zudem führten wir "öffentliche Interviews" mit Zuschauer*innen  an öffentlichen Orten Winterlingens oder in den Wohnstuben der Gesprächspartner*innen.
Beim EDEN handelte es sich um ein leerstehendes Geschäft im Ortskern, dass wir renovierten und bespielten. Der Laden in der Marktstraße 18 war den Winterlinger*innen als alte Seilerei, als Spielwarengeschäft und als Weltladen bekannt. Denn all diese Funktionen hatte das Gebäude in seinen vorherigen Leben erfüllt.

Mit unserem Programm wollte wir gerne einen Ort im Zentrum (zumindest temporär) neu beleben und ein kleines Zeichen gegen den Leerstand in Winterlingen setzen.